Umschulung mit 50 jahren

Umerziehung im Alter von 50 Jahren

Andernfalls besteht die Gefahr, dass sie ein paar Jahre früher sterben. Beschäftigungsmarkt: 50plus Generation: Fortbildung ist besser als Vorruhestand - Beruf - Wirtschaftlichkeit Viele der älteren Mitarbeiter, die im Hause Brigitte Block gelandet sind, sagen so etwas oder ähnliches. Der Ausbildungsberater der Industrie- und Handelskammer zu Berlin (IHK) ist jedoch überzeugt: "Ich denke, dass gerade für Geringqualifizierte gute Möglichkeiten bestehen, wenn sie ihre Ausbildung fortsetzen. "Ältere Mitarbeiter können es sich nicht länger erlauben, in den Vorruhestand zu gehen.

Ganz im Gegenteil: ältere Menschen werden in den nächsten Jahren noch mehr vonnöten sein. Die Senatorin für Beschäftigung, Carola Bluhm, ruft deshalb zu mehr beruflicher Qualifikation und Umschulung auf. Brigitte Block, IHK-Beraterin, schildert am Beispiel einer Kauffrau, wie eine aussagekräftige Fortbildung aussieht: "Nach der Kindererziehung hat sie keinen unbefristeten Anstellungsvertrag mehr und arbeitet nur noch "einmal hier, einmal dort".

"In einigen Faellen kommt die ueber fuenfzigjaehrige Generation nicht umhin, sich weiterzubilden - oder umzuschulen. Nach vielen Jahren schwerer physischer Anstrengung haben Dachdecker oft Rückenschmerzen. Eine 21-monatige Umschulung zum Groß- und Einzelhändler wurde von Brigitte Blöck einem Auftraggeber vorgeschlagen. Daher ermuntert die Firma BLOCK die älteren Menschen explizit, ihre Ausbildung fortzusetzen.

Nach wie vor ist es jedoch so, dass Mitarbeiter mit grauem Tempel zögern, wieder zur Schule zu gehen. Laut dem Zentrum für Gerontologie absolviert nur jeder Fünfte zwischen 50 und 64 Jahren innerhalb eines Jahrs eine berufliche Weiterbildung, jeder Dritte der jungen Generation. Während erst fünfzigjährige Mitarbeiter viele Jahre lang als altmodisch bezeichnet wurden, sind Firmen nun dazu angehalten, umzudenken.

Mit zunehmendem Alter der Erwerbstätigen darf die Nachfrage nach lebensbegleitendem Lernens nicht mehr nur eine leere Phrase sein. So können die Hamburger nicht umhin, sich auf ihre alten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verlassen: Das Durchschnittsalter der Beschäftigten beträgt über 48 Jahre. Aus diesem Grund hat das Unter-nehmen in den vergangenen Jahren ein umfassendes Betreuungskonzept entwickelt.

"Im Rahmen regelmäßiger Leistungsbeurteilungen prüfen wir den Weiterbildungsbedarf des Einzelnen", sagt Monika Böckler, Head of Competence Development. Die Angestellten waren alles andere als lernwillig. Möglicherweise auch, weil die Älteren im Betrieb nicht als Wohlfahrtsgruppe wahrgenommen werden, sagt Böckler. "Deshalb gibt es bei den Berlinern keine besonderen Angebote für ältere Menschen.

Bei den Softskills hingegen sind ältere Menschen meistens besser. Im Rahmen der Seminare zum Thema Konfliktbewältigung oder Kundenkontakt werden die langjährigen Erfahrungen älterer Arbeitnehmer in Form von Role-Plays dargestellt. "Alte Arbeitnehmer, die schon lange im Betrieb sind, haben meistens gute Kontakte zu Kollegen, Erfahrungen und Routinen.

Auf diese Weise können sie manchmal junge Angestellte fördern. Auf den drohenden Mangel an Fachkräften reagierte die Agentur für Arbeit 2007 auch mit ihrem Weiterbildungsprogramm für Geringqualifizierte und Ältere in Betrieben (Straßenbau). Neben Geringqualifizierten sind auch Ältere explizit förderfähig - eine Gruppe, die bereits ab 45 Jahren antritt.

Der Geringqualifizierte erhält die Ausbildungskosten und einen Zuschuß für die erforderlichen sonstigen Fortbildungskosten von der Agentur für Arbeit. "Tatsächlich ist die Fortbildung von Menschen in Arbeit nicht unsere Aufgabe", sagt Erik Benkendorf von der Agentur für Arbeit Berlin-Brandenburg. Nichtsdestotrotz wird das Projekt 2010 fortgesetzt - gerade weil die Gefahr besteht, dass Ältere und Geringqualifizierte ihren Job nicht wiederfinden.

Mitarbeiter sollen ohne Kündigung eine Teilqualifikation oder einen fehlenden Berufsabschluss erlangt haben. "Ist die Fortbildung gut auf die operativen Bedürfnisse zugeschnitten, bestehen gute Aussichten, dass die Agentur für Personalwesen die anfallenden Ausgaben übernimmt", sagt Benkendorf. Bisher haben die Firmen dies vor allem für zielgerichtete Praxismaßnahmen genutzt, die nicht mehr als sechs Monaten dauern.

In Berlin haben im Monatssemester 2009 850 Menschen mit der Fortbildung im Straßenbau angefangen, ein Quartal mehr als im gleichen Monat des Vorjahres. Damit erhofft sich Benkendorf, dass die Agentur für Arbeit einen wichtigen Schritt zum lebensbegleitenden Lernen unternimmt.

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