Duales system Deutschland Ausbildung

Das Duale System Deutschland Ausbildung

Das duale System in der Krise: Unternehmen und Lehrlinge treffen sich nicht mehr Der deutsche Bildungsmarkt erscheint mir widersprüchlich. Da gibt es Jobs und Antragsteller, aber oft findet man sich nicht. Bundesweit im Jahr 2016 - neuere Daten sind noch nicht verfügbar - haben die Unternehmen für 43.000 ihrer Lehrstellen keinen geeigneten Kandidaten gefunden. Für mehr als zehn vom Hundert aller Lehrstellen gab es in den neuen Bundesländern keinen geeigneten Ausbildungsplatz.

Zugleich gehen rund achtzigtausend oder gut 13% aller Auszubildenden in Deutschland aus. Junge Menschen und Unternehmen treffen sich nicht oder gehören nicht zusammen, oft aus geographischen Erwägungen. Es werden viele Ausbildungsplätze in Ausbildungsberufen ausgeschrieben, an denen nicht genügend Interessenten interessiert sind. In der Bertelsmann Stiftung wurde die Lage der beruflichen Bildung in ganz Deutschland erörtert.

Gerade für kleine Unternehmen ist es schwierig. Erschwerend kommt hinzu, dass sie in Ausbildungsberufen ausgebildet werden, die bei jungen Menschen nicht besonders beliebt sind, zum Beispiel im Hotel- und Gastgewerbe. Die Kochberufe gehören zu den am wenigsten entlohnten in Deutschland. Viele junge Menschen vermeiden eine Ausbildung in der Gemeinschaftsverpflegung, aber auch wegen der teilweise unregelmässigen Arbeit.

Aber auch in Fachberufen gibt es oft nicht genug passende Kandidaten. Beispielsweise wählen die jungen Damen kaum eine Ausbildung in mathematisch-naturwissenschaftlichen Berufsfeldern (MINT-Berufe), obwohl die Nachfrage nach Nachwuchskräften hier besonders hoch ist. Beliebteste Ausbildungen für Bewerberinnen waren 2016 Bürokaufmann/-frau, Arzthelferin und Einzelhandelskauffrau. "Noch mehr als die jungen Menschen konzentriert sich die Frau auf wenige Lehrberufe und ignoriert die MINT-Berufe noch weitgehend", sagt der Bundesverband der Bundesarbeitsunternehmer.

Obwohl 330 Lehrberufe zur Verfügung standen, sind drei von vier Anfängern in nur 25 Lehrberufen zu Hause. "Deshalb ist eine konsequente Berufsausrichtung in allen Schultypen notwendig, wie sie im Curriculum verankert ist - und das ohne Klischees und im intensiven Dialog mit der Berufspraxis", sagt BDA-Sprecher Christopher Lück. Darüber hinaus halten es die Unternehmer für zweckmäßig, die berufliche Bildung junger Menschen zu fördern.

"Der Bildungsmarkt ist regional sehr unterschiedlich. Das Ausbildungsparadoxon in Deutschland ist für die Wissenschaftler ein gefährlicher Fehler: "Wir können uns weder freie Ausbildungsplätze noch junge Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung leisten", sagt Jörg Dräger, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung. Wo jedoch keine Schulungen angeboten werden, findet man oft auch später kein eigenes Fachpersonal. Auch in Sachsen-Anhalt haben nur etwas mehr als 14% der Unternehmen eine Ausbildung absolviert, verglichen mit 23% zur Jahreswende.

Gleichzeitig entschließen sich immer mehr Jugendliche zum Studieren, auch wenn nicht jedes Studienfach gute Chancen auf eine spätere Berufstätigkeit hat. "Gegenwärtig steht die Doppelausbildung im Wettstreit mit den Universitäten unter Druck", erläutert Dräger. Nur 49% der Absolventen mit oder ohne Hauptschulabschluss konnten im Jahr 2015 eine Ausbildung unmittelbar beginnen.

Über die Hälfte der Befragten (51 Prozent) ist zunächst auf eine Übergangsregelung umgestiegen, in der keine berufliche Qualifikation erlangt wird. Andererseits bekommen Menschen mit Primar- oder Sekundarschulabschluss oft nichts auf dem Ausbildungsmarkt", beklagt Dräger. Die Bertelsmann Stiftung setzt daher die Vorstellung einer Bildungsgarantie des Bundes um. Insgesamt wurde in Deutschland in den vergangenen Jahren immer weniger geschult.

Die Unternehmen in Deutschland boten 2016 80.000 weniger Plätze an als 2007, wobei die Anzahl der Studienbewerber noch mehr sank. 2016 waren es 155.000 weniger als neun Jahre vorher. Die Angebots-Nachfrage-Situation für Jugendliche, die eine Ausbildung in einer dualen Berufsausbildung anstreben, hat sich in rechnerischer Hinsicht gebessert.

"2007 waren nur 85 Ausbildungsstellen pro 100 Bewerbungen verfügbar. 2016 waren es 94", so der Bericht der Bertelsmann Stiftung. Allerdings sind die konkreten Gegebenheiten abhängig vom Wohnsitz. Im Freistaat Bayern hatten 100 Antragsteller 104 Ausbildungsstellen, in Schleswig-Holstein nur 88 Am dramatischsten war die Entwicklung in den neuen Ländern.

Die Forschenden registrieren dort einen echten Rückgang der doppelten Berufsausbildung: Von 2007 bis 2016 sank die Anzahl der Ausbildungsplatzangebote im Ostteil um knapp 40 und die der Studienbewerber um 46 Prozentpunkte. Um den Aufschwung der jüngsten Vergangenheit fortzusetzen, müssen nach Auffassung von Dräger die Trainingsbedingungen attraktiv werden.

Darüber hinaus sollen Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Berufsqualifizierte bekannter gemacht werden.

Auch interessant

Mehr zum Thema