Ausbildungsmarkt

Lehrstellenmarkt

Wie hoch ist das Angebot und die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen? Hier finden Sie aktuelle News, Informationen und Bilder zum Thema Ausbildungsmarkt auf Süddeutsche.de. Die Anpassung an den Ausbildungsmarkt wird immer schwieriger und stellt die Unternehmen vor Probleme bei der Sicherung des Fachkräftenachwuchses.

Berufsbildungsmarkt im Umbruch

Mittlerweile haben mehr Auszubildende im ersten Studienjahr eine Hochschulzugangsberechtigung als ein Abitur. Auch die Anzahl der Ausbildungsstellen, die von Betrieben, Praxis und Verwaltung nicht besetzt werden konnten, hat sich mit 48.900 seit 2009 (17.600) nahezu verdreifacht. In der Folgezeit hat sich die Anzahl der Ausbildungsstellen erhöht. "Seit seiner Einführung hat der Datenbericht einen wichtigen Schritt zum verbesserten Verstehen der Entwicklung im Berufsbildungsbereich getan.

Das Hauptthema des Datenberichts in diesem Jahr umfasst daher Themen wie die institutionelle Ausgestaltung der beruflichen Orientierung, das Berufswahl-Verhalten junger Menschen und die Aspekte, die eine "gute" berufliche Orientierung sind. Ohne deren Verstärkung und ohne eine verstärkte Ausrichtung von jungen Menschen mit höherem Schulabschluss auf das gesamte Ausbildungsspektrum von aktuell 326 Berufen können die sich verschärfenden Anpassungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt kaum gelöst werden.

Besonders die Lehrstellen in klassischen Hauptschulberufen sind von Personalproblemen geprägt, zumal Bewerber mit höherem Schulabschluss nach wie vor Schwierigkeiten haben, an diese Stellen heranzutreten, wenn ihre Suche nach dem gewünschten Beruf - wie z.B. kaufmännische, mediale und IT-Berufe - erfolglos bleibt. Aus diesem Grund zeigen die Auswertungen im Datenbericht, dass immer mehr Hochschulabsolventen zu den gescheiterten Antragstellern gehören.

Das Angebot: Ausbildungsstellen in Unternehmen

Dabei wird der so genannte Ausbildungsmarkt eingehend untersucht. Wie hoch ist das Angebot und die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen? Inwiefern haben sich die beiden Marktsegmente in den letzten Jahren weiterentwickelt und wie ist die Gesamtsituation auf dem Ausbildungsmarkt? In Deutschland ist der Einstieg in die duale Berufsbildung - im Gegensatz zur Schul- oder Hochschulausbildung und zu den Berufsausbildungssystemen in den meisten anderen Ländern - in Form eines Marktes geregelt.

Selbst wenn die Politikerinnen und Politiker regelmässig eine ausreichende Zahl von Ausbildungsplätzen fordern, können die Unternehmen selbst bestimmen, wie viele Ausbildungsplätze sie bieten und mit wem sie diese belegen (Granato/Ulrich 2013, S. 315). Anders als bei der Verwendung von Begriffen auf dem Arbeitsmarkt wird auf dem Ausbildungsmarkt unter dem Begriff "Angebot" das Ausbildungsplatzangebot und unter dem Begriff "Nachfrage" die Person verstanden, die eine Lehrveranstaltung durchläuft.

Als Anzahl der angebotenen Lehrstellen in der Ausbildung werden die Anzahl der Neuabschlüsse und die Anzahl der bei der Bundesanstalt angemeldeten, aber noch nicht ausgeschriebenen Lehrstellen zusammenfassend ausgewiesen. Für das Lehrjahr 2014/2015 betrug sie rund 563.055 Lehrstellen (vgl. Matthes et al. 2016). Für diesen Berichtszeitraum wurden dem BIBB rund 522.093 neue Lehrverträge mitgeteilt.

Zum Ende des Ausbildungsjahrs waren nach Auskunft der Bundesanstalt für Arbeit noch rund 40.960 Lehrstellen ausstehend. 1 ] In der Regel werden alle durch die Schulung entstehenden Aufwendungen, einschließlich der Ausbildungsbeihilfe, von den Unternehmen selbst getragen. Es gibt auch die so genannte "außerbetriebliche Ausbildung", bei der die meisten Lehrstellen vom Land bezahlt werden (siehe Infokasten).

In Relation zur Anzahl der betrieblich angebotenen Ausbildungsstellen ist die Anzahl dieser Stellen jedoch sehr gering: Von den im Lehrjahr 2014/15 geschlossenen neuen Verträgen wurden weniger als 4 Prozentpunkte vorwiegend staatlich gefördert. Im Falle der vorwiegend staatlich geförderten beruflichen Bildung werden über 50 v. H. der Praxiskosten im ersten Lehrjahr durch spezielle Programme und Massnahmen durch Zuwendungen der Öffentlichen Verwaltung oder der Verwaltung der Arbeit übernommen.

Die Berufsbildung zielt auf so genannte marktorientierte, gesellschaftlich beeinträchtigte und lernbehinderte Jugend. In der Regel sind es externe oder zwischenbetriebliche Ausbilder, die mit diesen jungen Menschen entsprechende Lehrverträge schließen. Auch die externe Weiterbildung ist doppelt angelegt, so dass der Praxisteil in der Regel in der Werkstätte einer Bildungseinrichtung durchgeführt wird.

Das Praktikum wird von der Agentur für Arbeit für außerbetriebliche Weiterbildung durchgeführt; eine Direktbewerbung ist nicht möglich. Zur Aufrechterhaltung der Ausbildungsqualität sind die jeweiligen Fachstellen (z.B. IHK, Industrie- und Handelskammer, Landwirtschaftliche Kammer etc. je nach Ausbildungsberuf) nach 32 BGB dazu angehalten, die Angemessenheit der Ausbildungszentren ( 27) und die personelle und berufliche Angemessenheit der Trainer zu prüfen (§ 28-§ 30).

Knapp über die Hälfte aller Unternehmen in Deutschland (57%) hatten 2014 eine Ausbildungserlaubnis (BIBB-Datenbericht 2016, Kap. A4.10.2). 2 ] Allerdings bieten nur einige der zugelassenen Unternehmen eine regelmäßige Ausbildung an. Wieviele es sind, wird anhand der so genannten Ausbildungsbetriebquote berechnet: Er gibt an, wie viele aller Unternehmen mit wenigstens einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer letztendlich Unternehmen mit Praktikanten sind.

Im Jahr 2014 betrug der Anteil der Ausbildungsbetriebe 20,3 Prozentpunkte, ein deutlicher Rückgang gegenüber 2007 (24,1 Prozent) (BIBB-Datenbericht 2016, Kap. A4.10.1). Weil das Angebot an Ausbildungsplätzen auch von der allgemeinen wirtschaftlichen Lage abhängig ist, wurde auch das deutsche Bruttosozialprodukt (BIP) einbezogen[3]. Hierbei ist klar zu sehen, dass mit dem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts auch das Angebot an Ausbildungsplätzen (Säulen) eher zurückgeht, d.h. die Unternehmen in der Regel weniger in die Qualifizierung potenzieller Nachwuchskräfte investiert .

Der konjunkturelle Rückgang auf dem Lehrstellenmarkt zeigte sich dementsprechend Anfang der 2000er Jahre, während in den folgenden Boomjahren ab 2006 mehr Lehrstellen zur Verfügung stehen werden. Die Finanzmarktkrise des Jahres 2009, die in der Abbildung aus dem kurzfristigen deutlichen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts ersichtlich ist, hat sich auch auf das Angebot an Ausbildungsplätzen massiv ausgewirkt.

Die Statistik wird ab 2009 auch die Anzahl der betrieblichen und außerbetrieblichen Ausbildungsplatzangebote aufzeigen. Nach dem Einbruch des betrieblichen Ausbildungsplatzangebots in den Jahren 2009 und 2010 wurden die Ausbildungsstellen zunehmend außerhalb des Unternehmens angeboten. Seither ist das firmenexterne Übernahmeangebot wieder zurückgegangen. Im Jahr 2011 ist die Anzahl der mit den Unternehmen geschlossenen Lehrverträge wieder gestiegen, bis 2013 gesunken und hat seitdem gestagniert.

Auffallend ist, dass immer mehr Ausbildungsplätze ausbleiben. Das ist ein Indiz dafür, dass es für Unternehmen immer schwieriger wird, passende Trainees zu gewinnen. Zudem haben sich die Unternehmen in den vergangenen Jahren etwas zurückgebildet, was sich an einem rückläufigen Anteil der Ausbildungsbetriebe ablesen lässt. Insbesondere sehr kleine Unternehmen mit bis zu neun Mitarbeitern bieten immer weniger Ausbildungsplätze an (BIBB-Datenbericht 2016, Kap. A4.10. 2; vgl. auch den Teil " Doppelte Berufsausbildung - ein Modell für die Zukunft?

Nun zur Lage der Jugendlichen auf dem Ausbildungsmarkt. Die Ausbildung startet formell am jeweils nächsten Tag am Anfang des Ausbildungsjahres und läuft bis zum Ablauf des darauf folgenden Jahrs. In den Ausbildungsjahren 2014/15 bestand ein Bedarf von 602.900 Auszubildenden. Davon haben bis zum Stichtag 31. Dezember 2015 522.093 (knapp 87%) einen Ausbildungsplatz im Rahmen des dualen Systems bekommen (siehe Matthes et al. 2016).

Zu diesem Zeitpunkt waren noch 80.791 Ausbildungsplatzbewerber bei der BA gemeldet. Berücksichtigt man nicht nur diejenigen, die zum Bezugszeitpunkt noch als Bewerber gemeldet waren, sondern alle an der Einrichtung gemeldeten Ausbildungsinteressenten (d.h. alle, die einen Lehrvertrag im Rahmen des Dualen Systems abgeschlossen haben oder zu einem bestimmten Zeitpunkt im Lehrjahr als Bewerber bei der BA gemeldet waren), so übertrifft ihre Anzahl mit 804.369 Personen die von der amtlich festgestellte Nachfragesituation.

Zu den Bewerbern zählen jedoch nur diejenigen, die von den BA-Beauftragten als "ausbildungsreif" klassifiziert wurden. Die Bewerberbefragung BA/BIBB 2014 belegt, dass 28% von ihnen bereits in den Vorjahren einen Ausbildungsplatz gesucht hatten, also so genannte "Altbewerber" waren (BIBB-Datenbericht 2016, Kap. A3.1.2). Der Bedarf an Ausbildungsplätzen ist einerseits abhängig von der Bevölkerungsentwicklung, d.h. von der Anzahl der Geburten und der Schüler.

Die Bevölkerung in Deutschland ist seit der Jahrhundertwende rückläufig (BIBB-Datenbericht 2015, Kap. C1.2) und wird auch von der künftigen Entwicklung der Einwanderung abhängt. Inwieweit es möglich sein wird, die derzeit in Deutschland zugelassenen Menschen in das System der dualen Ausbildung zu übernehmen, bleibt offen. Die Anzahl der Schulabgänger aus allgemein bildenden Bildungseinrichtungen ist seit der Hälfte der 2000er Jahre rückläufig, wenngleich die doppelte Anzahl der Schulabgänger von 2007 bis 2013 den Niedergang inzwischen etwas abgemildert hat (BIBB-Datenreport 2015, Kap. C1.2).

Andererseits wird die Ausbildungsplatznachfrage auch davon beeinflußt, welche (Ausbildungs-)Entscheidungen Jugendliche fällen, d.h. welche schulischen Qualifikationen sie erlangen und welche Berufsbilder sie später aussuchen. In den letzten Jahren haben beispielsweise immer mehr Jugendliche eine Hochschulausbildung gesucht und auch die Anzahl derjenigen, die eine Vollzeitschulausbildung an Gesundheitsschulen aufnehmen, ist angestiegen (BIBB-Datenbericht zum Bericht über die Berufsbildung 2015, Teil C1.1).

Nichtsdestotrotz befindet sich die Mehrheit der jungen Menschen nach wie vor in der dualen Ausbildung. Zwar ist die Quote der neu eingestellten Auszubildenden, d.h. der Quote derjenigen, die in Deutschland eine Ausbildung in der dualen Ausbildung beginnen, gesunken, sie wird aber 2014 immer noch 53,4 % betragen (BIBB-Datenbericht 2016, Kap. A4.5).

Ein Blick auf die Ausbildungsmarktsituation zeigt, wie gut Angebote und Nachfragen auf dem Ausbildungsmarkt übereinstimmen, inwieweit Unternehmen ihre Lehrstellen ausfüllen können und ob Ausbildungsinteressenten einen Lehrplatz bekommen. Es vergleicht die Anzahl der freien Plätze mit der Anzahl der Auszubildenden ("Info-Box").

Nach ANR-Angaben gab es für das Lehrjahr 2014/15 landesweit 90 betriebsinterne Lehrstellenangebote gegenüber 100 Bewerbern. Einschließlich der Mehrzahl der staatlich geförderten Ausbildungsstellen betrug die ANR 93,4 Prozentpunkte, d.h. 93 Ausbildungsstellen pro 100 Stellen. Damit lag die Ausbildungsplatznachfrage der ausbildungsbereiten Antragsteller leicht über der tatsächlichen Anzahl der Stellen.

Das Verhältnis von Angebots- und Nachfrageentwicklung (ANR; "erweiterte" Definition) auf dem Lehrstellenmarkt wird durch Division von Angebots- und Nachfrageentwicklung berechnet. Die Anzahl der angebotenen Ausbildungsstellen ergibt sich aus der Anzahl der zum 30. September geschlossenen Verträge und der Anzahl der zum 30. September bei der BA angemeldeten und noch nicht besetzten Ausbildungsstellen. Der Bedarf ergibt sich aus der Höhe der Neuabschlüsse zuzüglich der bei der BA angemeldeten Ausbildungsplatzbewerber, die am 30. September noch auf der Suche nach einem Ausbildungsstellenangebot sind.

Wird nur die Zahl der angebotenen betrieblichen Ausbildungsplätze betrachtet, d.h. ohne Berücksichtigung der externen Ausbildungsplätze, kommt es zum Ergebnis der betrieblichen ANR. Dies gilt ganz konkret für das Lehrjahr 2014/2015: Schwierigkeiten auf dem Lehrstellenmarkt lassen sich nicht nur in einem zu geringen (Mangel an Lehrstellen) oder zu hohem (Mangel an Lehrstellenbewerbern) Verhältnis von Angebot und Nachfrage sehen. Es ist auch schwer, wenn nicht gleichzeitig Ausbildungsplätze vergeben werden können, während die Anfragenden nicht in die Lehre gehen können.

Seit 2009 haben diese so genannten "Anpassungsprobleme" zugenommen (Matthes et al. 2016). Weshalb werden die freien Ausbildungsplätze nicht mit Bewerberinnen und Bewerber gefüllt, die noch auf der Suche sind? Es kann unterschiedliche Ursachen haben, warum Angebote und Nachfragen auf dem Ausbildungsmarkt nicht zusammenkommen. Wer noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz ist, will nicht die Ausbildungsberufe, für die es noch freie Stellen gibt.

Das BIBB ( (Hrsg.) (2015): Datenbericht zum Bericht über die Berufsbildung. Die Reformfähigkeit des Zuganges zur dualen Berufsbildung im Bereich der institutionellen Gegenüberstellung.

Schweizerische Zeitschrift für Soziologie, 39/2, S. 315 - 1939 Müller-Kohlenberg, Lothar; Schober, Karin; Hilke, Reinhard (2005): Ausbildungsbereitschaft - Nu-merus clausus für Lehrlinge?

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